Energielehre des Yoga
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30.01.2020 14:00
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Kategorie: Ashtanga Yoga, Energielehre des Yoga, Philosophie, Themenorientierter Unterricht

Energielehre des Yoga

Die Schätze und Erkenntnisse des Yoga sind reich und unglaublich vielfältig. Der Yoga beinhaltet eine Energielehre, mit deren Hilfe energetische Prozesse des Lebens beschrieben werden. Dabei können die unterschiedlichen Begriffe und Konzepte am Anfang überwältigend wirken. Mit diesem Blogbeitrag wollen wir einige dieser faszinierenden Ideen beschreiben und Licht ins Dunkel bringen.

Prāṇa – die Energie hinter allem Lebendigen

Die Yogis gehen davon aus, dass wir als lebendige Wesen mehr als ein materieller Körper sind. Unser Körper besteht neben der Materie aus Energie. Diese Energie fließt durch unsere materiellen Strukturen und lässt sie lebendig werden. Das, was Lebendiges von Leblosem unterscheidet, ist die Lebensenergie, die dem Lebendigen eingehaucht wird. Diese Energie, die das Leben durchströmt, wird in den Erkenntnislehren des Yoga Prāṇa genannt. Prāṇa bedeutet Atem, Leben, Lebenskraft, Lebensatem und ist die kosmische Energie, die universelle Kraft – die Energie, die hinter allem Lebendigen steckt. Eine solche Lebensenergie wird nicht nur im Yoga beschrieben. In China wird von Qi gesprochen, in Japan von Ki, Wilhelm Reich spricht von Orgon und die Bibel von Od. In der Bibel heißt es:

„Da formte Gott der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und hauchte ihm Lebens(odem)atem in die Nase. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen“.

Unsere Haṭha Yoga-Techniken werden praktiziert, um diese Lebensenergie zu erhöhen und lenken zu lernen.

Nāḍis – die Kanäle der Lebensenergie

Aus Sicht der Energielehre fließt Prāṇa durch Kanäle, die Nāḍis genannt werden. Ähnlich wie unser Blut in den Arterien und Venen transportiert wird, durchfließt Prāṇa unsere Nāḍis. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird bei diesen Energiebahnen von Meridianen gesprochen. Die Haṭha Yoga Schriften liefern unterschiedliche Angaben zur Menge der Nāḍis. Die śivasaṁhitā gibt an, dass der Mensch 350.000 Nāḍis hat, wohingegen die haṭhayogapradīpikā von 72.000 spricht. In der Regel wird über drei Hauptnāḍis gesprochen. Diese Energiebahnen ziehen rechts (piṅgalā-nāḍi) und links (iḍā-nāḍi) entlang der Wirbelsäule sowie direkt hindurch (suṣumṇā-nāḍi).

Suṣumṇā gilt als zentraler Hauptnāḍi und verläuft vom Beckenboden durch den Spinalkanal unserer Wirbelsäule bis zum Schädeldach. Iḍā verkörpert das weibliche Prinzip, entrspringt im Beckenboden und verläuft über die linke Körperseite bis zur linken Seite der Nase. Iḍā steht für den Mond, das Kühle, Kreativität, Ruhe, Entspannung und Regeneration. Piṅgalā symbolisiert das männliche Prinzip, mit Ursprung ebenfalls im Beckenboden, verläuft über die rechte Körperhälfte bis zur rechten Nasenöffnung und steht für die Sonne, Wärme, Aktivität und das rationale Denken.

Die haṭhayogapradīpikā spricht in einigen Stellen über die Nāḍis. So heißt es im zweiten Kapitel im Satz vier:

„mala-akalāsu nāḍīṣu māruto naiva madhya-gaḥ
kathaṁ syād unmanī-bhāvaḥ kārya-siddhiḥ kathaṁ bhavet“

„Wenn die Energiekanäle verunreinigt sind kann die Lebensenergie (Prana) nicht durch den Haupt-Kanal (Sushumna) strömen.
Wie wird der Zustand der Erleuchtung (Unmani) sich einstellen, und wie stellen sich übernatürliche Kräfte (Siddhi) ein?“

Techniken wie Bandha und Prāṇāyāma sollen die Energiekanäle reinigen und die Energien lenken. Nāḍi-śodhana ist beispielsweise eine Technik, die durch einen Wechselatem einen balancierenden Effekt auf uns hat. Nāḍi-śodhana wird zudem die 2. Serie des Aṣṭāṅga Yoga genannt und heißt Reinigung der Energiekanäle.

Cakras – die Zentren der Lebensenergie

Nach den alten Schriften gibt es Zentren, die ein hohes Maß an Lebensenergie beinhalten. Diese Zentren sind unsere Cakras. Cakra bedeutet Rad, Scheibe, Kreis. Es sind runde, bewegte Geflechte von Bewusstsein und subtiler Lebensenergie. Die Cakras sind über Nāḍis miteinander verbunden. Im Allgemeinen wird über unsere sieben Hauptcakras gesprochen, die entlang der Wirbelsäule (Suṣumṇā) vom Beckenboden zur Scheitelmitte gestapelt sind. Jedes einzelne Cakra ist unterschiedlichen Bereichen und Organen zugeordnet, und es heißt, dass die Gesundheit der einzelnen Körperteile von einem gut ausbalancierten Energiefluss in den Cakras abhängt. Im Umkehrschluss kann bei einer Energie-Blockade eine Disharmonie entstehen, die sich dann auch auf physischer und emotionaler Ebene ausübt. Wenn der Energiefluss in den Nāḍis und Cakras blockiert ist, spricht man von Granthis (Knoten, Verhärtung). In diesem Zusammenhang erwähnt die haṭhayogapradīpikā im fünften Satz des zweiten Kapitels folgendes: 

 „śuddham eti yadā sarvaṁ nāḍī-cakraṁ malākulam
tada-iva jāyate yogī prāṇa-saṁgrahaṇe kṣamaḥ“

„Wenn Reinigung der verschmutzten Energie-Kanäle (Nadi) und -Zentren (Chakra) erreicht ist, erst dann erringt der Yogi die Fähigkeit die Lebensenergie (Prana) zu bewahren.

Kuṇḍalī – die transformierende Schlangenkraft

Kuṇḍalī bedeutet wörtlich: die Aufgerollte, die schlafende Schlangenkraft. Diese aufgerollte Schlangenkraft ist die schöpferische Energie im Menschen. Sie sitzt im untersten Cakra (Mūlādhāra-Cakra im Beckenboden). Die schlafende Kuṇḍalī kann erweckt werden, wodurch sie sich vom unteren Cakra über Suṣumṇā-Nāḍi zu den höheren Cakras schlängelt. Am obersten Cakra (Sahasrāra-Cakra am Scheitel des Kopfes) angekommen erlangt der/die Übende die Erfahrung des Einheitsbewusstseins (Samādhi). Die nach oben schlängelnde Kuṇḍalī umfasst alle Aspekte unserer wandelbaren Natur (Śakti). Erreicht diese wandelbare Natur das oberste Cakra, verbindet sie sich mit dem höheren, reinen, unvergänglichen Bewusstsein (Śiva). Die Einheitserfahrung (Samādhi) entsteht durch die Verbindung dieser Polaritäten.

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